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Veranstaltungsübersicht

Sonntag, 20.06.2021 * 11 Uhr

Video-Veranstaltung

Matinee

„Wir wollen an die Zunahme der Menschlichkeit glauben“

Zum 150. Geburtstag des Humanisten, Sozialisten und Schriftstellers Heinrich Mann

Mit Wilhelm von Sternburg
Moderation: Ulrike Holler

Heinrich Mann, Sohn einer wohlhabenden Lübecker Kaufmannsfamilie, wird vor allem mit seinen beiden satirischen Romanen „Professor Unrat“ und „Der Untertan“ weltberühmt. In seinem Heimatland bleibt er jedoch zeitlebens wegen seiner politischen Haltung ein umstrittener Autor. In seinen großen Romanen setzt er sich mit der Krise der bürgerlichen Gesellschaft, den sozialen und politischen Verwerfungen in Deutschland auseinander. Doch trotz seiner scharfen Kritik am Untertanengeist seiner Landsleute in den wilhelminischen Jahren, an ihrer Engstirnigkeit und gefährlichen Wirklichkeitsverweigerung bleibt er bei seiner „humanistischen Überzeugung, seinem Glauben an die Macht des Geistes und die Macht des Wortes“ (Wilhelm von Sternburg). Die Suche nach Wahrheit und die Verteidigung demokratischer Grundwerte stehen im Zentrum seines Werkes.

Geistig hat Heinrich Mann einen weiten Weg zurückgelegt. In seinen jungen Jahren ist er für kurze Zeit Herausgeber der konservativ-reaktionären und antisemitischen Monatszeitschrift „Das 20. Jahrhundert“. Seine ersten Romane stehen noch ganz im Zeichen des romantischen Ästhetizismus. Um 1900 wendet er sich in seinen von den französischen Schriftstellern Voltaire, Jean-Jacques Rousseau und Émile Zola stark beeinflussten Essays zunehmend sozialen Fragen zu und setzt sich für demokratische Reformen ein. Er erkennt und kritisiert die politischen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen im Kaiserreich und verurteilt – im Gegensatz zu seinem Bruder Thomas Mann – die Begeisterung seiner Landsleute beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges. In den Weimarer Jahren gehört er zum Kreis der linksliberalen Intellektuellen des Landes und wird einer der prominentesten literarischen Verteidiger der Republik. Schon früh setzt er sich für die Aktionseinheit von Kommunisten, Sozialdemokraten und dem linken Bürgertum ein, um das Aufkommen der Nationalsozialisten zu verhindern. Wenige Tage nach Hitlers Machtergreifung wird er aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, verliert die deutsche Staatsbürgerschaft und wird im Exil zu einem der führenden Vertreter der Volksfrontpolitik. Seine Flucht führt ihn zunächst für 8 Jahre nach Frankreich, wo er seinen für viele Kritiker besten Roman über das Leben des französischen König Henri Quatre schreibt. Nach der Niederlage Frankreichs rettet er sich 1940 auf einer abenteuerlichen Flucht in die USA. Seine letzten Lebensjahre sind von Krankheit, materiellen Sorgen und Einsamkeit geprägt. Der undogmatische Sozialist erhält 1948 den Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur, verdrängt den stalinistischen Terror in der Sowjetunion und in ihren Satellitenstaaten.

Lange zögert er mit seiner Zusage, einer Einladung der DDR-Regierung zu folgen. Kurz vor der geplanten Rückkehr nach Deutschland stirbt Heinrich Mann 1950 in Los Angeles. “Sein Kampf um die Freiheit des Geistes, das Handeln der intellektuellen Eliten und die Abwehr rassistischen Denkens bleiben bis in unsere Tage eine Herausforderung“ (Wilhelm von Sternburg).

Die Matinee findet online statt
Einwahl: https://conf.ccc-ffm.de/b/han-quc-qrj

Weitere Informationen:
www.businesscrime.de
www.kunstgesellschaft.de

Die Matinee ist eine Benefizveranstaltung für den Rechtshilfefonds Pro Veritate von Business Crime Control.
Da wir gegenwärtig keinen Teilnehmerbeitrag erheben können, bitten wir die Teilnehmenden um eine gelegentliche Spende auf das Konto von Pro Veritate:
DE18 5065 0023 0053 0024 73

Veranstalter: Business Crime Control e.V. und  KunstGesellschaft e.V.

Zuletzt bearbeitet am: 10.06.21

Donnerstag, 24.06.2021 * 19 Uhr

Nicht mehr nur am Bildschirm: Hebels aktuelle Stunde

Ein Rückblick auf die Politik der jüngsten Zeit

An brisanten Themen dürfte es nicht mangeln, wenn Stephan Hebel kurz nach der Sommersonnenwende zur nächsten „aktuellen Stunde“ einlädt. Die Pandemie wird nicht überwunden sein – nicht in Deutschland, nicht in Europa und erst recht nicht in den ärmeren Teilen der Erde. In Frankfurt wird ein neues Römer-Bündnis im Amt sein, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird stattgefunden haben, die Bundestags- und mehrere Landtagswahlen werden näher kommen. Und jenseits der Landesgrenzen eskalieren die ungelösten Konflikte.
Stephan Hebel wird auch diesmal das Geschehen der jüngsten Zeit beleuchten, nach den Interessen, die die Politik bestimmen, fragen und mögliche Alternativen diskutieren.
Wir freuen uns sehr, dass er auch unter den Bedingungen der Pandemie seine vierteljährliche „Aktuelle Stunde“ zusammen mit dem Club Voltaire fortsetzt. In welcher Form die Veranstaltung stattfinden kann – rein per Videostream, „hybrid“ (Video plus kleine Besucherzahl) oder unter Hygienebedingungen in der Kneipe – muss die dann aktuelle Lage zeigen. Auf jeden Fall wird das Publikum eingeladen sein, Fragen zu stellen und mitzudiskutieren.
Stephan Hebel schreibt politische Bücher und Artikel in der „Frankfurter Rundschau“ und anderswo. Außerdem ist er häufiger Gast im Presseclub von WDR/ARD.

„Hebels aktuelle Stunde“ erfolgt in Zusammenarbeit von Club Voltaire und „Frankfurter Rundschau“.

Die Veranstaltung ist "hybrid" geplant, Teilnahme in der Kneipe ist also möglich.
Weil die Abstandsregeln natürlich weiterhin gelten und die Plätze daher begrenzt sind, bitten wir um  Anmeldung per E-Mail.


Hinweise:
  • Bitte warten Sie nach dem Anmelden, bis Sie durch die technische Betreuung der Veranstaltung "eingelassen" werden.
    Wir haben das dieses Mal so eingerichtet, damit keine Überlastung des Servers durch zu viele Teilnehmer und eventuelle dadurch verursachte Ausfälle auftreten.
  • Ihr Mikrophon ist zunächst durch das System automatisch stummgeschaltet - sobald die Diskussion eröffnet ist und Sie sich zu Wort melden, erhalten Sie die Möglichkeit, das Mikrophon einzuschalten.
    Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie Ihr Mikrophon beim Betreten des der Veranstaltung aktiviert haben (das System fragt, ob Sie das Mikro verwenden oder nur zuhören wollen).
  • Gleiches gilt für Ihre Kamera.

Zuletzt bearbeitet am: 10.06.21

Donnerstag, 24.06.2021 * 19 Uhr

Telematikinfrastruktur – vielfältige Interessen und Verflechtungen

Online-Veranstaltung mit Dr. Andreas Meißner

Einwahl-Link: https://bbb.galatis.de/b/arn-fyi-2ac-bum
Es ist keine vorherige Registrierung notwendig.

Die elektronische Patientenakte führt, wie mehrfach berichtet, zu einer fragwürdigen zentralen Speicherung von Gesundheitsdaten auf Servern von Firmen wie IBM, sie bringt kaum medizinischen Nutzen, ist teuer und geht an eigentlich bestehenden Notwendigkeiten im Gesundheitswesen vorbei.

Auch die oft beschworene Freiwilligkeit ihrer Nutzung wird nun durch ein Gutachten des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen in Frage gestellt. Er fordert eine ePA für alle automatisch ab Geburt oder bei Zuzug ins Land. Mit der Brechstange wird somit die digitale Sammlung von Behandlungsdaten erzwungen. Davon profitiert vor allem eine einflussreiche IT-Lobby, die in zahlreichen Verbindungen steht mit Politik und Medien.

Dr. Andreas Meißner, in München niedergelassener Psychiater und Psychotherapeut sowie Sprecher des Bündnisses für Datenschutz und Schweigepflicht (BfDS), wird in seinem ca. 30-minütigen Vortrag vielfältige Interessen und Verflechtungen bei Telematikinfrastruktur und elektronischer Patientenakte aufzeigen. Danach ist Zeit zur Diskussion.
In der Ankündigung auf der Website der Datenschützer Rhein-Main finden sich weiterführende Links zu Veröffentlichungen von Dr. Meißner.

Veranstalter: Verein Patientenrechte und Datenschutz e.V., Bürgerrechtsgruppe Datenschützer Rhein Main, Regionale Gruppe Patientendatenschützer Rhein-Main und Club Voltaire Frankfurt.

Einwahl-Link: https://bbb.galatis.de/b/arn-fyi-2ac-bum
Es ist keine vorherige Registrierung notwendig.

Die Veranstaltung ist die Fortsetzung einer Veranstaltungsreihe zur digitalen Transformation des Gesundheitswesens. Vier Veranstaltungen fanden bereits statt. Sie wurden aufgezeichnet und sind » hier verfügbar.

Es ist geplant, die Veranstaltungsreihe bis auf Weiteres an jedem letzten Donnerstag im Monat fortzusetzen.
  • Do. 29. Juli 2021, 19.00 Uhr:
    Dr. Stefan Streit aus Köln wird informieren und diskutieren zum Thema "Digitalisierung & Gesundheit – wo gehts hin? (Arbeitstitel)"

  •  Do. 26. August 2021, 19.00 Uhr:
    Dr. Thilo Weichert (Netzwerk Datenschutzexpertise) wird informieren und diskutieren zum Thema "Das medizinische Forschungsdatenzentrum"
Technische Hinweise für die Teilnehmer*innen der Online-Veranstaltung:
  • Das  Gelingen einer Online-Veranstaltung ist immer auch abhängig von der  Qualität der Online-Verbindung und der verwendeten technischen  Ausstattung. Einige Tipps dazu:
  • Stoppen  Sie für die Zeit der Teilnahme an der Online-Konferenz andere intensive  Daten-Verbindungen wie Verbindungen zu Streaming Portalen (YouTube,  Netflix, usw.) oder große Downloads, etc.
  • Auch  wenn WLAN in der Regel gut funktioniert: Schließen Sie – wenn möglich – Ihren Laptop, PC etc. per LAN Kabel an den Router an. LAN-Verbindungen sorgen in der Regel für weniger Störungen bei Ton und Bild.
  • Bei mobiler Verbindung: Vermeiden Sie möglichst weitere Verbindungen.

Zuletzt bearbeitet am: 10.06.21

Dienstag, 29.06.2021 * 19:30

Video-Veranstaltung

Attac Jour Fixe

Verschwörungs-Erzählungen erkennen und widersprechen

(Teil 1)

Der ATTAC-Jour Fixe (JF), wie gewohnt am letzten Dienstag im Monat. Nur diesmal nicht in den Räumen des Club Voltaire, sondern online als Video-Konferenz (VK).

Verschwörungserzählungen (VE) haben während Corona Hochkonjunktur. Doch was ist an ihnen problematisch, wie kann man sie erkennen und vor allem, wie können wir gut reagieren, wenn in unserem Umfeld oder in unserer politischen Gruppe, Menschen anfangen, diese zu reproduzieren? Wie können wir zwischen berechtigter Kritik vermachteter Strukturen und rassistischen, antidemokratischen und antisemitischen VE unterscheiden?
Unser JF gliedert sich in zwei Schwerpunkte: In diesem 1. Teil von 90 Minuten geht es darum, VE erkennen zu können und  herauszuarbeiten, was an diesen problematisch ist. Warum haben VE oft antisemitische Inhalte? Woran erkennt man die entsprechenden Codes? Wer verbreitet VE und mit welchen Motiven? Diese erste Workshop-Einheit hat zum Ziel, auf diese Fragen, gemeinsam Antworten zu erarbeiten.
In unserem 2. Teil mit ebenfalls 90 Minuten (Termin folgt) liegt der Schwerpunkt darauf, wie wir mit VE in unserem Umfeld umgehen können. Wann lohnt es sich zu diskutieren? Wie überwinde ich die Schrecksekunde? Was sind gute Argumentationsstrategien? Basierend auf den Erfahrungen von Teilnehmer*innen, arbeiten wir typische Argumentationsmuster heraus und üben, wie wir in konkreten Situationen darauf reagieren können und wollen.

Referent*innen: Anika Berane, Fiona Hause, Maximilian Jung (Aktive im bundesweiten ATTAC-Netzwerk)

Achtung: Die Teilnehmer*innenzahl ist wegen des Workshop-Charakters auf 30 Personen begrenzt. Interessent*innen melden sich daher bitte per E-Mail an; die Anmeldungen werden entsprechend dem Eingang berücksichtigt: jourfixe@attac-ffm.de.
Die Einwahldaten senden wir Euch zusammen mit der Anmeldebestätigung.

Zuletzt bearbeitet am: 10.06.21

Donnerstag, 01.07.2021 * 19 Uhr

Videoveranstaltung/Kneipe

Daueropposition?

Die Labour Party nach einer erneuten Wahlniederlage

Im Dezember 2019 hatten die britischen Konservativen unter Boris Johnson die Wahlen zum Unterhaus klar gegen die Labour Party unter Jeremy Corbyn gewonnen – ihr größter Erfolg nach 1987 und eine der schwersten Niederlagen Labours überhaupt. Der Brexit wurde kurz darauf vollzogen. Corbyn trat zurück, als Nachfolger setzte sich Keir Starmer durch, der in der politischen Mitte der Labour-Party anzusiedeln ist. Stellvertretende Vorsitzende wurde mit Angela Rayner eine ehemalige Gewerkschafterin.
Zunächst hatte es so ausgesehen, als könne die neue Labour-Führung die Schwäche der Johnson-Regierung – vor allem das Brexit- und Corona-Chaos – für sich nutzen. Die Partei legte 2020 in den Umfragen deutlich zu, Starner galt als ernsthafte Alternative zu Boris Johnson. Bei den Kommunalwahlen im Mai 2021 erlebte Labour jedoch eine bittere Enttäuschung. Die Tories haben einen soliden Vorsprung hergestellt und sitzen wieder fest im Sattel, in Schottland und Wales haben sie sich hinter der schottischen Nationalpartei bzw. Labour gut behauptet. Labour verharrt dagegen im Dauertief, trotz einiger Lichtblicke in Wales, London und Manchester. Der Verlust des Unterhaussitzes in Hartlepool bei einer Nachwahl – seit 1964 ein Labour-Stammsitz – war sensationell. Keir Starner machte seine Stellvertreterin Angela Rayner für das Desaster verantwortlich und brachte damit großeTeile der Partei gegen sich auf.

Offenbar ist der Versuch der neuen Parteiführung, Labour stärker in die Mitte zu orientieren ohne deshalb zu Tony Blair und „New Labour“ zurückzukehren, fürs erste gescheitert. Wo liegen die Ursachen für diesen Misserfolg? Welche besonderen Entwicklungen, gerade in Schottland, sind zu berücksichtigen? Und gibt es Faktoren, die über Großbritannien hinausreichen – womöglich sogar für die politische Lage in Deutschland Bedeutung haben?
Mit solchen und anderen Fragen wird sich der Historiker und Großbritannienspezialist Dr. Florian Weis, Berlin, befassen.
Es moderiert Claus-Jürgen Göpfert, Journalist, Buchautor und ehemaliger Redakteur der „Frankfurter Rundschau“.

Zugangslink für die Teilnahme per Video:  https://bbb.galatis.de/b/clu-bfh-26h-b7a

Veranstalter: Club Voltaire und Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen

Zuletzt bearbeitet am: 19.05.21

Samstag, 10.07.2021 * 19 Uhr

Kneipe

Im Rahmen von "Frankfurt liest ein Buch": Rechtsverdreher> <Linksversteher

Polizei, Justiz, Geheimdienste und die Formen des politischen Widerstands.

Im Rahmen von "Frankfurt liest ein Buch" plant der Club Voltaire eine spannende Veranstaltung zu dem Roman und ‚ganz nebenbei‘ auch zur Geschichte des Clubs und vieler Stammgäste.

Worum geht es in Eva Demskis biografischem Roman ‚Scheintod‘? Der zeitgeschichtliche und soziale Hintergrund (erste Hälfte der 1970er Jahre) ist allgegenwärtig, wird aber nicht besonders ausgemalt. Es wird eine Zeit und ein Milieu anschaulich und einfühlsam, oft auch recht beklemmend beschrieben, in dem die erste Generation nach der Befreiung vom Faschismus nach Orientierung sucht. Die Zeit des „alten SDS“ der 1960er Jahre mit Schulungen in Faschismusstudien, Revolutionstheorien, Psychoanalyse und historischem Materialismus war vorbei und heftige Abgrenzungsdebatten wurden geführt – gerne auch im Club Voltaire.

Während ‚der Kampf zweier Linien‘ mit viel Hirnschmalz und Wortakrobatik in unzähligen Papieren ausgetragen wurde und oft in Denunziationen endete, gab es im Club heftige Diskussionen, zuweilen auch Beschimpfungen. Dann griff Else, die Wirtin, ein: „Nu reicht‘s aber!“ Und der Abend wurde beim gemeinsamen Schöppchen beendet.

Eva Demski hat in einem Interview (FR, 10.02.21) diese Zeit geschildert: „Die Szene war zwar vielfältig, aber es gab doch viele Orte und Gelegenheiten, wo sich alle trafen, miteinander tranken, rauchten, stritten. Der Club Voltaire war so ein Gemeinschaftsort.“ Eva Demski war einerseits Teil dieser Szene, andererseits aber auch distanzierte Betrachterin: „Ich stand am Rand der Ereignisse und wunderte mich“.

Was damals von außen und von innen als „links“ bezeichnet wurde, war ein breites Spektrum unvereinbarer Positionen zwischen maoistischen Partei-Aufbauern, linientreuen Kommunisten, RAF-Akteuren, anarchischen Spontaneisten, undogmatischen und basisdemokratischen Linken in Parteien und Gewerkschaften und auch religiösen Dissidenten und esoterischen Sektierern.

Von den staatlichen Machthabern, großen Teilen der Gesellschaft und den meisten Medien wurden die Unterschiede nicht wahrgenommen. Alles, was ihnen irgendwie ‚links‘ erschien, wurde unter Druck gesetzt. Das reichte von „Geht doch nach drüben!“ (in die DDR) und der Einschüchterung durch Berufsverbote bis zur massenhaften Verdächtigung und Kriminalisierung des vermeintlichen „Sympathisantensumpfs“ der RAF.

Dass in diesen sozialen Verwerfungen die „Linksanwälte“ eine zentrale Rolle spielten, liegt auf der Hand. Sie mussten die Menschenrechte bei der Behandlung der Gefangenen gegen die Unverhältnismäßigkeit einer politischen Justiz und des Strafvollzugs einfordern, unabhängig von der angeklagten Straftat. Dabei wurden sie bei der Ausübung ihres Mandats immer wieder der Komplizenschaft verdächtigt. Sich dagegen zu wehren wurde erschwert, weil tatsächlich Kollegen in der Illegalität untergetaucht waren.

Rupert von Plottnitz
gründete mit drei Kollegen in Frankfurt das erste „Anwaltskollektiv“, in dem zeitweise auch Reiner Demski arbeitete. Sie verteidigten die ersten RAF-Häftlinge; das war eine Gratwanderung. Rupert von Plottnitz ist einer der wichtigsten Zeitzeugen aus dieser verworrenen Ära. Nach der realpolitischen Wende der „Grünen“ und deren Regierungsbeteiligung wurde er 1995 für vier Jahre hessischer Justizminister – eine erstaunliche Karriere, die vermutlich den meisten Rechten genauso wenig gefallen hat wie den meisten Linken. Zur Zeit vertritt er die Angehörigen der Opfer des rassistischen Terroranschlages vom 19. Februar 2020 in Hanau.

Die Regisseurin und Schauspielerin Barbara Englert hat die im Roman beschriebene Zeit als Jugendliche erlebt. Eine ihrer Darstellungsformen ist die szenische Lesung, bei der sie die im Text geschilderten Personen und Gegebenheiten lebendig werden lässt. Wer ‚Frankfurt liest ein Buch‘ 2020 im Club Voltaire erlebt hat, wird ihre Verkörperung des ‚Mädchens Rosemarie‘ nicht vergessen haben. Diesmal wird sie eine sehr spezielle Person in Eva Demskis Roman „Scheintod“ wieder auferstehen lassen.

Das geplante Programm für „Frankfurt liest ein Buch“ im Club Voltaire:

Barbara Englert
liest Szenen aus dem Roman

Rupert von Plottnitz wird den zeitgeschichtlichen Hintergrund schildern, besonders in Bezug auf die „Gewaltfrage“ bei den Protesten einerseits und die gewaltförmige, staatliche Repression auf der anderen Seite – mit den „Linksanwälten“ und dem Debattier-Club in der unbequemen Mitte.

Eva Demski wird das Milieu in der „Frankfurter Szene“ der Sechziger- und Siebzigerjahre lebendig werden lassen, womöglich auch mit biografischen Bezügen aus dem Buch und zur Bedeutung des Clubs Voltaire.

Immer wird die Frage im Raum stehen, ob es Zusammenhänge und Nachwirkungen aus der „Bleiernen Zeit“ auf aktuelle Entwicklungen gibt.

Das Publikum ist eingeladen, mitzudiskutieren und Fragen zu stellen.

Zuletzt bearbeitet am: 10.06.21