Voltaire

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60313 Frankfurt am Main

Kleine Hochstraße 5

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Demnächst im Club:

Sam, 13.02., 21 Uhr

Rap-Abend

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Fre, 19.02., 20 Uhr

Improvisationsabend #88

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club voltaire e.v.

kleine hochstraße 5, 60313 frankfurt am main

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WoWie am 14.01.05

Heiner Halberstadt:

Seit 1962 gibt es ihn, hier in der Kleinen Hochstraße 5, den Club Voltaire. Seine Entstehung ist eingebettet in die sechziger Jahre. Damals, 1962, hatten ein paar jüngere Frauen und Männer, die aus linken Jugendorganisationen kamen, die Idee, für sich und für ähnlich Gesinnte und gleichermaßen politisch und kulturell Bedürftige in dieser Stadt einen Ort für Gesprächs-und Streitkultur einzurichten.

Ein kommunikativer Treffpunkt sollte es sein: Zur kritischen Auseinandersetzung mit der bornierten, alle gesellschaftlichen Bereiche lähmenden, ideologisch rechts fixierten Hegemonie der Adenauer-Epoche. Die Gründer des Club Voltaires wollten heraus aus den Schwarz-Weiß-Klischees des Kalten Krieges. Sie suchten nach Offenheit und Toleranz, waren bestimmt von den Ideen einer sozialen und humanistischen Emanzipation.

Nicht von ungefähr ernannten sie deshalb den französischen Philosophen Francois-Marie Arouet, genannt Voltaire, zum Namenspatron ihres Unternehmens. Voltaire war ja nicht nur der bedeutendste Vertreter der Aufklärung im Vorfeld der französischen Revolution, seinen Ideen ist nicht nur die Durchsetzung freiheitlich-demokratischer und emanzipatorischer Rechte in Gesellschaft und Staat zu verdanken, sondern Voltaire war gleichfalls ein entschiedener Verfechter umfassender Toleranz als Grundlage eines vernunftbestimmten gesellschaftlichen Zusammenlebens. Diese Grundorientierung hat den Club Voltaire in seiner gesamten Programmarbeit und mithin auch seine Lebensgeschichte bestimmt.

Auch, als Ende der sechziger Jahre eine neue Linke die politische Bühne betrat und sich nach einem nur teilweise gelungenem Ausbruchsversuch aus der herrschenden Gesellschaftsformation in x-ideologischen Verzweigungen verlor, verblieb „der Club“ bei seinem Prinzip: offen zu sein für alle Linke, aber sich keiner Gruppierung oder Strömung anzuschließen oder gar unterzuordnen. Sicherlich war auch dies entscheidend, dass es den Club Voltaire immer noch gibt.

Und dass es sicher auch weiterhin gute Gründe gibt, ihn fortzuführen. Denn soziale Abstiegs- und Zukunftsängste wachsen. Sie leiten Wasser auf die Mühlen rechter, nationalistischer und rassistischer Demagogen. Die zunehmende gesellschaftliche Rechtsorientierung ragt schon weit in die Mitte von CDU/CSU, aber auch in Bereiche der SPD hinein. Ein Realkapitalismus mit dem Machtanspruch einer endgültigen Weltordnung beherrscht die Welt. Die kapitalistischen, ausschließlich auf die materielle Verwertbarkeit gerichteten Gesetze und Praktiken haben einen gnadenlosen Konkurrenzkampf zwischen und innerhalb aller sozialen Lebensbereiche ausgelöst. Damit einher geht eine global wirksame, ebenfalls durch kapitalistische Denk- und Handlungsweisen ausgelöste Zerstörung aller Umwelt- und Lebensressourcen.

Kann die deutsche, die europäische Linke, mit ihren auf ein freundliches, menschenwürdiges Leben gerichteten Ideen und humanistischen Gesellschaftsentwürfen nicht mehr dagegenhalten? Hat sich diese Linke aus der Solidarität mit den weltweiten Freiheits- und Sozialbewegungen verabschiedet? Muss die Linke hierzulande abtauchen? In Resignation versinken, sich in Klageliedern gegenseitig bedauern? U.a., weil ein Gesellschaftssystem, das als Spätfolge des vom NS-Regimes ausgelösten zweiten Weltkrieges entstand, untergegangen ist? Ein Gesellschaftssystem, das sich zwar Realsozialismus nannte, aber in Wirklichkeit ein undemokratisches, bürokratisiertes Staatsgebilde war. Mag zudem auch das Vertrauen in die großen Solidarorganisationen aus augenscheinlichen Gründen gemindert oder angeschlagen sein – aber muss sich deshalb die Linke, mit all ihrer Erkenntnisfähigkeit, mit ihren auch aus der Geschichte ableitbaren oder ihr von daher aufgetragenen Gestaltungsmöglichkeiten, aus dem gesellschaftlichen Kampf verabschieden?

Wir, die wir den Club Voltaire erhalten und fortführen wollen, sehen statt dessen, dass es wieder ein zunehmendes Verlangen nach intellektueller Schärfe, nach Aufdeckung der in der Tiefe der Gesellschaft wirkenden und das aktuelle Leben bestimmenden Gesetze gibt – kurz, nach einer neuen „Dialektik der Aufklärung". Wir glauben feststellen zu können: Die Suche nach einer sozialen und individuellen Emanzipation hat wieder begonnen.

Der Club Voltaire gehört deshalb geistig allen, die seiner bedürfen. Also vor allem denen, die mithelfen wollen, eine interventionsfähige Linke – besonders gemeinsam mit den Jüngeren – wieder in Gang zu setzen. Denn sagt selbst: Bedarf es nicht erneut und zunehmend dringlicher einer progressiven gesellschaftlichen Gegenmacht, die in gegenseitiger Ermutigung der Anti- und Gegenaufklärung Paroli bietet: die im Sinne umfassender Emanzipation die Veränderbarkeit der Welt wieder erkennbarer macht?

So möchten wir das Programm in diesem Haus ausrichten und die Möglichkeiten des Club Voltaire als Ort politischer und geselliger Kommunikation für alle Freunde und Besucher des Club Voltaire noch stärker nutzbar machen.

Über den Club Voltaire am 14.01.05

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