Voltaire

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50 Jahre Club Voltaire

60313 Frankfurt am Main

Kleine Hochstraße 5

Öffnungszeiten der Kneipe:
Mo - Sa  18:00 bis 01:00 Uhr
Sonntag 18:00 bis 24:00 Uhr

Bürozeiten:
Mo - Do 15:30 bis 19:00 Uhr
Freitag  10:00 bis 16:00 Uhr

Telefon:
Büro:     (069) 29 24 08
Kneipe: (069) 21 99 93 11

clubvoltaire@t-online.de

Impressum

Demnächst im Club:

Fr, 27.05., 20:30

ClubJazz

Thomas Siffling Quartett

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Sa, 04.06., 21 Uhr

DISKO*INTERNATIONAL

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So, 05.06., 19 Uhr

Wirtshaussingen

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Di, 07.06., 19 Uhr

Frauendiskussionsabend (ladies only)

„Sie nehmen uns die Arbeitsplätze und die Ehemänner weg“

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Di, 07.06., 20:30

TITANIC Zwangslesung

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Mo, 13.06., 20 Uhr

JazzSession

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Do, 23.06., 20 Uhr

Hebels aktuelle Stunde

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Mo, 27.06., 20 Uhr

DADA im Club Voltaire

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club voltaire e.v.

kleine hochstraße 5, 60313 frankfurt am main

tel büro (069) 29 24 08
fax büro (069) 28 45 79

telefonische kartenvorbestellung: (069) 21 99 92 93

telefon kneipe: (069) 21 99 92 93

WoWie am 05.08.15

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Kulturpreis der Frankfurter SPD für den Club Voltaire

Es war uns im März eine ganz besondere Freude – nach all dem würdelosen Gerangel um Kürzung oder Streichung der jahrzehntealten Förderung des Kulturamts der Stadt Frankfurt für unsere Arbeit – den »Skyline« genannten Kulturpreis der Frankfurter SPD für unser kleines Haus annehmen zu dürfen.

Mit uns freuten sich viele Freundinnen und Freunde des Clubs auf die Verleihung im Gallus-Theater:

Noch mehr Fotos und die Dankesrede unserer Vorsitzenden Ulla Moser findet ihr hier:

2014-Kulturpreis-Skyline am 02.06.14

50 Jahre Club Voltaire

Seit 1962 besteht in Frankfurt am Main der Club Voltaire. In dieser Zeitspanne passierten gewaltige Veränderungen. Wenige Schlagworte bezeichnen wichtige Geschehnisse: vom Kalten Krieg zur 1968er und Frauenbewegung, zu Antikolonialismus, Friedens- und Ökologiebewegung bis hin zur Auflösung der Blöcke, deútscher Kriegsbeteiligung und jetzt zur aktuellen Systemkrise, die zur verschärften Konfrontation zwischen Demokratie und Wirtschaftsmacht geführt hat. Trotz dieser grundlegenden Veränderungen ist der Club Voltaire seinen ursprünglichen Absichten verpflichtet geblieben.

Parteiisch, aber an keine Partei gebunden

Als eingetragener, gemeinnütziger Verein verstehen wir uns als Ort für Gegenöffentlichkeit, bieten Information und Aufklärung als Voraussetzung für Emanzipation und Veränderung. Wir wollen einen Raum erhalten für alternative Kunst und Kultur und – mit einer kleinen Kneipe – für Zusammensein ohne Diskriminierung. In überwiegend ehrenamtlicher Arbeit wurden attraktive Programme entwickelt, schöne Feste gefeiert und auch schwere Krisen des Vereins gemeistert. Generationen neu hinzu gekommener Mitglieder haben sich den Gründungsgedanken zu eigen gemacht.

Für Frieden und Abrüstung einzutreten hatte 1962 noch Parteiausschlüsse zur Folge, der Antikommunismus des Kalten Krieges führte dazu, dass selbst bei Lesungen von Anna Seghers oder Christa Wolf der Verfassungs- schutz im Publikum saß. Der Club Voltaire war in diesen Jahren heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Vor allem aber war er Treffpunkt für jene, die sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen und daraus Schlüsse für eine bessere Zukunft ziehen wollten. Franzosen, Algerier, Spanier und in späteren Jahren Chilenen, viele Menschen, die aufgrund politischer Verfolgung in ihren Heimatländern ins Exil gehen mussten, waren hier willkommen und hatten einen offenen Ort und solidarische Unterstützung.

In den sechziger Jahren entstanden in vielen Städten der Bundesrepublik ähnliche Clubs, manche nahmen sich den Frankfurter Club zum Vorbild.

„Wer will, dass die Welt bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt“

Diese Gedichtzeile von Erich Fried drückt aus, was unseren Verein antreibt. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Frieden und der Schutz der Umwelt nicht den Gewinn- interessen einer Elite untergeordnet bleiben.

Wir freuen uns darüber, dass wir dieses Jahr 50 werden

Im Jubiläumsjahr werden wir Veranstaltungen zu zukunftsentscheidenden Themen anbieten. Am Ende des Jahres – zum 50. Jahrestag der Gründung – planen wir eine Konferenz zu Gegenwarts- und Zukunftsfragen, ein großes Kulturfest und die Vorstellung eines Dokumentarfilmes über den Club Voltaire.

50_Jahre_clubVoltaire am 21.05.12

Heiner Halberstadt:

Seit 1962 gibt es ihn, hier in der Kleinen Hochstraße 5, den Club Voltaire. Seine Entstehung ist eingebettet in die sechziger Jahre. Damals, 1962, hatten ein paar jüngere Frauen und Männer, die aus linken Jugendorganisationen kamen, die Idee, für sich und für ähnlich Gesinnte und gleichermaßen politisch und kulturell Bedürftige in dieser Stadt einen Ort für Gesprächs-und Streitkultur einzurichten.

Ein kommunikativer Treffpunkt sollte es sein: Zur kritischen Auseinandersetzung mit der bornierten, alle gesellschaftlichen Bereiche lähmenden, ideologisch rechts fixierten Hegemonie der Adenauer-Epoche. Die Gründer des Club Voltaires wollten heraus aus den Schwarz-Weiß-Klischees des Kalten Krieges. Sie suchten nach Offenheit und Toleranz, waren bestimmt von den Ideen einer sozialen und humanistischen Emanzipation.

Nicht von ungefähr ernannten sie deshalb den französischen Philosophen Francois-Marie Arouet, genannt Voltaire, zum Namenspatron ihres Unternehmens. Voltaire war ja nicht nur der bedeutendste Vertreter der Aufklärung im Vorfeld der französischen Revolution, seinen Ideen ist nicht nur die Durchsetzung freiheitlich-demokratischer und emanzipatorischer Rechte in Gesellschaft und Staat zu verdanken, sondern Voltaire war gleichfalls ein entschiedener Verfechter umfassender Toleranz als Grundlage eines vernunftbestimmten gesellschaftlichen Zusammenlebens. Diese Grundorientierung hat den Club Voltaire in seiner gesamten Programmarbeit und mithin auch seine Lebensgeschichte bestimmt.

Auch, als Ende der sechziger Jahre eine neue Linke die politische Bühne betrat und sich nach einem nur teilweise gelungenem Ausbruchsversuch aus der herrschenden Gesellschaftsformation in x-ideologischen Verzweigungen verlor, verblieb „der Club“ bei seinem Prinzip: offen zu sein für alle Linke, aber sich keiner Gruppierung oder Strömung anzuschließen oder gar unterzuordnen. Sicherlich war auch dies entscheidend, dass es den Club Voltaire immer noch gibt.

Und dass es sicher auch weiterhin gute Gründe gibt, ihn fortzuführen. Denn soziale Abstiegs- und Zukunftsängste wachsen. Sie leiten Wasser auf die Mühlen rechter, nationalistischer und rassistischer Demagogen. Die zunehmende gesellschaftliche Rechtsorientierung ragt schon weit in die Mitte von CDU/CSU, aber auch in Bereiche der SPD hinein. Ein Realkapitalismus mit dem Machtanspruch einer endgültigen Weltordnung beherrscht die Welt. Die kapitalistischen, ausschließlich auf die materielle Verwertbarkeit gerichteten Gesetze und Praktiken haben einen gnadenlosen Konkurrenzkampf zwischen und innerhalb aller sozialen Lebensbereiche ausgelöst. Damit einher geht eine global wirksame, ebenfalls durch kapitalistische Denk- und Handlungsweisen ausgelöste Zerstörung aller Umwelt- und Lebensressourcen.

Kann die deutsche, die europäische Linke, mit ihren auf ein freundliches, menschenwürdiges Leben gerichteten Ideen und humanistischen Gesellschaftsentwürfen nicht mehr dagegenhalten? Hat sich diese Linke aus der Solidarität mit den weltweiten Freiheits- und Sozialbewegungen verabschiedet? Muss die Linke hierzulande abtauchen? In Resignation versinken, sich in Klageliedern gegenseitig bedauern? U.a., weil ein Gesellschaftssystem, das als Spätfolge des vom NS-Regimes ausgelösten zweiten Weltkrieges entstand, untergegangen ist? Ein Gesellschaftssystem, das sich zwar Realsozialismus nannte, aber in Wirklichkeit ein undemokratisches, bürokratisiertes Staatsgebilde war. Mag zudem auch das Vertrauen in die großen Solidarorganisationen aus augenscheinlichen Gründen gemindert oder angeschlagen sein – aber muss sich deshalb die Linke, mit all ihrer Erkenntnisfähigkeit, mit ihren auch aus der Geschichte ableitbaren oder ihr von daher aufgetragenen Gestaltungsmöglichkeiten, aus dem gesellschaftlichen Kampf verabschieden?

Wir, die wir den Club Voltaire erhalten und fortführen wollen, sehen statt dessen, dass es wieder ein zunehmendes Verlangen nach intellektueller Schärfe, nach Aufdeckung der in der Tiefe der Gesellschaft wirkenden und das aktuelle Leben bestimmenden Gesetze gibt – kurz, nach einer neuen „Dialektik der Aufklärung". Wir glauben feststellen zu können: Die Suche nach einer sozialen und individuellen Emanzipation hat wieder begonnen.

Der Club Voltaire gehört deshalb geistig allen, die seiner bedürfen. Also vor allem denen, die mithelfen wollen, eine interventionsfähige Linke – besonders gemeinsam mit den Jüngeren – wieder in Gang zu setzen. Denn sagt selbst: Bedarf es nicht erneut und zunehmend dringlicher einer progressiven gesellschaftlichen Gegenmacht, die in gegenseitiger Ermutigung der Anti- und Gegenaufklärung Paroli bietet: die im Sinne umfassender Emanzipation die Veränderbarkeit der Welt wieder erkennbarer macht?

So möchten wir das Programm in diesem Haus ausrichten und die Möglichkeiten des Club Voltaire als Ort politischer und geselliger Kommunikation für alle Freunde und Besucher des Club Voltaire noch stärker nutzbar machen.

Über den Club Voltaire am 14.03.11

Förderungen:

Die Arbeit des Club Voltaire wird von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und ehrenamtlicher Tätigkeit getragen. Unterstützung erfolgt auch durch das Kulturamt Frankfurt am Main und das Jugendamt.

Club Voltaire am 14.03.11

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