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Fritz Bauer - Tod auf Raten

Dokumentarfilm, anschließend Podiumsgespräch mit der Regisseurin.

Fritz Bauer kehrt in den Club Voltaire zurück - der hessische Generalstaatsanwalt war hier zu Lebzeiten gern zu Gast. Am Samstag, den 5. Februar 2011 zeigen wir den  Dokumentarfilm "Fritz Bauer - Tod auf Raten" von Ilona Ziok (http://www.fritz-bauer-film.de).

Im Anschluß an den Film folgt ein Podiumsgespräch mit Regisseurin Ilona Ziok, Heiner Halberstadt und Peter Menne. Heiner Halberstadt hat den Club Voltaire 1961 mitgegründet und kannte Fritz Bauer persönlich aus den Zeiten, in denen der Ausnahmejurist Bauer sich an Diskussionen im Club Voltaire beteiligte. Peter Menne leitet den Ortsverband Frankfurt der Humanistischen Union - der Bürgerrechtsorganisation, die Fritz Bauer (ebenfalls 1961) mitgegründet hat. Das Podiumsgespräch wird von der hessischen Landeszentrale für politische Bildung gefördert.

Fritz Bauer starb im Juni 1968 in der Badewanne - aber woran? Darauf kann und will der Film keine Antwort geben. Doch zeigt er Fritz Bauers Wirken so eindringlich, daß die Frage aktuell bleibt: Denn der Ausnahmejurist Bauer hat die Aufarbeitung der NS-Zeit im Nachkriegdeutschland maßgeblich vorangetrieben. Auf seine Initiative hin wurde das Nazi-Regime 1952 im Remer-Prozeß zum Unrechtsstaat erklärt - während der Adenauer-Ära, die die Nazi-Zeit verdrängte und in der nicht nur in Justiz und Polizei viele Personen munter weiterarbeiteten, die ihre Karriere unter den Nazis begonnen hatten. Auch mit der angeblichen Auschwitz-Lüge machte Fritz Bauer Schluß. Er setzte sich für das Recht auf Widerstand gegen ein verbrecherisches Regime ein - und trat damit so manchem auf die Füße.

In vier großen thematischen Blöcken würdigt Regisseurin Ilona Ziok das Wirken von Fritz Bauer: den Remer-Prozeß 1952 (mit dem die Attentäter vom 20. Juli 1944 als legitime Kämpfer gegen ein Unrechtsregime rehabilitiert wurden), den Eichmann-Prozeß 1961 in Jerusalem (Bauer gab einen entscheidenden Hinweis zum Aufenthaltsort des "Spediteurs des Todes" in Argentinien), die Frankfurter Auschwitz-Prozesse ab 1963 und die Euthanasie-Verfahren gegen Ärzte und vor allem die Justiz, die mordende Kliniken wie Hadamar gedeckt und Nachfragen zum Verbleib der psychisch Kranken gezielt abgeblockt hatte. Dte Freunde, Kollegen und Zeitzeugen von Fritz Bauer. Deren Aussagen gruppiert sie ganz bewußt um scas Euthanasie-Verfahren ließ der zuständige Limburger Richter anderthalb Jahre ruhen, um es nach Fritz Bauers Tod sang- und klanglos einzustellen.

Ilona Ziok interviewhwarz-weiß-Ausschnitte aus einer alten Talkshow im hr-Fernsehen: da sprach Fritz Bauer in den 60er Jahren mit jungen Frankfurtern im "Kellerklub" und formulierte dabei seine wichtigsten ethischen Maximen. Ausschnitte aus Filmberichten über Eichmann in Jerusalem oder die angeklagten Auschwitz-Mörder, die in Prozeßpausen frei über die Zeil spazieren, vermitteln einen Eindruck von der restaurativen Atmosphäre in der Ära Adenauers. Über 100 Stunden Interviews und Filmaufnahmen verdichtet Ilona Ziok zu einem eindrucksvollen, lebendigen Bild vom Wirken Fritz Bauers, von seiner Person und von seiner Zeit.

"Fritz Bauer - Tod auf Raten" feierte seine Weltpremiere auf der Berlinale im Februar 2010 - am ersten Festivaltag waren alle drei Vorstellungen in den großen Festivalkinos ausverkauft. Zur Hessenpremiere Ende November war das Naxos-Kino überfüllt. Im Februar tourt Regisseurin Ilona Ziok durch das Rhein-Main-Gebiet.

Veranstalter: Humanistische Union, Gegen Vergessen - für Demokratie e.V. und Club Voltaire mit freundlicher Unterstützung der hessischen Landeszentrale für politische Bildung
Eintritt: 7,- €/erm. 5,-€

Weitere Angaben zu Leben und Werk von Fritz Bauer und zu Publikationen über Fritz Bauer

Zuletzt bearbeitet am: 17.01.11