Voltaire

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06.10.10 20:00

Etage (noch) unklar

Michael Wilk (Hrsg.): Paul Lafargue - Das Recht auf Faulheit

GegenBuchMasse 2010

"Lafargue provoziert. Er tut dies gründlich und radikal. Sein »Recht auf Faulheit« ist konkrete Utopie im besten emanzipativen Sinne. Die Brisanz des Pamphlets besteht in der Erhebung eines Grenzen sprengenden Anspruchs, konträr zur gültigen Moral und einengenden, disziplinierenden Wertvorstellungen. »Faulheit«, ist das böse Gegenwort gegenüber einer Leistungsgesellschaft, in der die Maxime der Arbeit über den Wert des Menschen entscheidet", schreibt Michael Wilk im Vorwort zur Neuauflage von Lafargues Polemik wider die Arbeitssucht.

Lange bevor Max Weber in seiner "protestantischen Ethik" die moralischen Grundlagen des kapitalistischen Arbeitsethos' untersuchte, geißelte Paul Lafargue die proletarische Forderung nach einem "Recht auf Arbeit" von 1848 oder erneut 1871. Angesichts der fatalen Folgen des Zwölf- oder 14-Stunden-Arbeitstages forderte er die Beschränkung auf höchstens drei Stunden Arbeit pro Tag.

Heute spaltet sich die Gesellschaft in Menschen, die inclusive Überstunden wieder mehr als zehn Stunden täglich arbeiten, und andere, die "hartzen". Einen wachsenden Teil der ersteren ereilt das Burn-Out-Syndrom: häufiger wird die Karriere von psychischer Krankheit unterbrochen. Die anderen lernen Arbeit nur zu oft in Form von ABM-Maßnahmen oder Ein-Euro-Jobs kennen: Angesichts ungesunder Verteilung von Arbeit heute wirkt Lafargues "Recht auf Faulheit" brandaktuell.

Michael Wilk hat die Schrift um ein Vorwort erweitert neu herausgegeben. Er liest aus Lafargue, um den Bogen zur aktuellen sozialpolitischen Diskussion zu schlagen. Wilk diagnostiziert, daß "der Widerstand gegen gegen die kapitalistisch determinierte gesellschaftliche Situation weniger durch repressive Mittel des Staates gebrochen, sondern schon im Vorfeld durch freiwilligen Gehorsam und Identifizierung mit dem System am Entstehen gehindert wird. Auch hier ist Lafargue aktuell!"

Zum Autor:
Michael Wilk (Jg. 1956) ist Arzt, anarchistischer Autor und Umweltaktivist. Er engagiert sich in sozialen und ökologischen Bewegungen, arbeitet seit 1976 im Anarchistischen Forum Wiesbaden und dem Arbeitskreis Umwelt Wiesbaden (AKU) mit. Auch aufgrund seiner Erfahrungen in der Anti-AKW-Bewegung oder dem Bündnis gegen den Flughafenausbau verneint Wilk die Möglichkeit eines "guten" oder "ökologischen Kapitalismus": Sozialpartnerschaft hält Wilk für eine Farce; er kritisiert Konzerne, korrumpierte Politik und Herrschaftsstrategien.

Eintritt frei - Spenden erwünscht!
Veranstalter: Humanistische Union in Zusammenarbeit mit dem Club Voltaire


Weitere Informationen zum Buch auf:
http://www.alibri-buecher.de/product_info.php/info/p321_Paul-Lafargue--Das-Recht-auf-Faulheit.html

Zuletzt bearbeitet am: 09.09.10

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